So hat Schweden gewählt – Regierungswechsel wohl möglich

Geschrieben am 13.09.2026
von Elchkuss

Am 13. September 2026 hat Schweden gewählt. Um 349 Abgeordnetenplätze im Parlament, dem riksdagen, wurde gerungen. Als am Abend um 20 Uhr die Wahllokale schlossen, zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Eine erste Prognose, basierend auf Umfragen nach der Stimmabgabe, deutete darauf hin, dass ein Regierungswechsel möglich ist. Dann wurde es eng, denn eine zweite Prognose sah ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit völlig unklarem Ausgang voraus. Am Montagmorgen um 6 Uhr sieht es danach aus, dass ein Regierungswechsel möglich sein kann. Das Wichtigste hier im Überblick.

Wenn du dir einen Überblick über die einzelnen Parteien und Koalitionsmöglichkeiten machen willst, dann lies hier weiter.

Es war eine extrem spannende Wahlnacht. Nach einer ersten Prognose, die die jetzige Opposition mit 4,5% vorne sah, wurde es im Lauf der Nacht immer enger. Jetzt, am frühen Montagmorgen, sind die meisten Stimmen ausgezählt und ein vorläufiges Ergebnis steht fest. Das endgültige Ergebnis wird aber erst am Mittwoch oder Donnerstag erwartet. Warum? Dazu unten mehr. Es wird also spannend bleiben.

Das vorläufige Ergebnis:

Die aktuelle Tidö-Regierung erhält:

Moderaten (M): 19,9%

Schwedendemokraten (SD): 17,6%

Christdemokraten (KD): 6,2%

Liberale (L): 5,4%

Die momentane Opposition erringt:

Sozialdemokraten (S): 28,1%

Linkspartei (V): 8,2%

Zentrum (C): 7,1%

Grüne (MP): 6,1%

Damit kommt die momentane Regierung unter Ulf Kristersson (M) auf 49,1% der Stimmen, die jetzige Opposition auf 49,5%. Die restlichen Prozente entfallen auf sonstige Parteien.

Für eine Mehrheit im Parlament mit seinen 349 Sitzen benötigt man 175 Sitze. Die Regierung erhält 173, die Opposition 176.

Regierungswechsel möglich?

Gemäß dieser Sitzverteilung ist ein Regierungswechsel möglich. Sollte das letztliche Endergebnis keine großen Überraschungen mehr bieten, dann würde das Folgendes bedeuten:

  1. Ein Regierungswechsel und eine Ministerpräsidentin Magdalena Andersson könnten möglich sein. Die Koalitionsverhandlungen werden aber schwierig werden, was vor allem am starken Abschneiden der Linken liegt, die mit Selbstvertrauen und Forderungen in die Verhandlungen gehen werden, was beim Centrum für Gegenwehr sorgen könnte.
  2. Die Liberalen haben eine große Aufholjagd hingelegt. Im Frühjahr lagen sie in den Umfragen zum Teil bei nur 1%, jetzt haben sie den Einzug ins Parlament sicher.
  3. Die Verlierer im konservativen Lager sind die rechtspopulistischen Schwedendemokraten, denn sie konnten sich nicht zur führenden Kraft im rechtskonservativen Lager aufschwingen und verloren 3%.
  4. Freude und Enttäuschung bei den Sozialdemokraten: Sie sind wie erwartet stärkste Kraft und ein Regierungswechsel ist möglich. Aber sie sind unter 30% gerutscht, was für die schwedischen Sozialdemokraten ein sehr niedriger Wert ist.

Bis Mittwoch noch spannend

Das Ergebnis ist sehr eng. Die Opposition liegt gerade einmal 0,45% vor der momentanen Regierung. Und noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt. Denn sehr spät eingegangene Briefwahlen und die Stimmen von im Ausland lebenden Schweden werden erst am Mittwoch gezählt. Tendenziell stimmen die im Ausland Lebenden stärker für die Moderaten und die Umweltpartei, weniger für die Sozialdemokraten. Es könnte also noch zu leichten Verschiebungen kommen. Bei der letzten Wahl gaben die Stimmen der im Ausland lebenden Schweden der rechtskonservativen Regierung ein Plus von 0,11%.

Vermutlich wird Magdalena Andersson daher den Vorsprung halten können. Aber sicher ist eben nichts, weshalb sich sowohl Andersson als auch Kristersson am Sonntagabend sehr zurückhaltend und abwartend geäußert haben. Niemand will sich vorschnell zum Wahlsieger küren. Klarheit haben wir am Mittwoch oder Donnerstag.

Gewinner und Verlierer

Zu den Gewinnern der Wahl gehören ganz klar die Liberalen und die Linkspartei. Mit den Liberalen hat vor einem halben Jahr niemand mehr gerechnet. In allen Umfragen lagen sie deutlich unter der 4%-Hürde – und jetzt sind sie sicher im Parlament.

Links außen punktet die Linkspartei, die die zweitstärkste Kraft im rotgrünen Lager wurde. Will Magdalena Andersson Ministerpräsidentin werden, wird es wohl nicht ohne Linkspartei gehen. Das Gewicht von V wird damit deutlich größer.

Verlierer sind Sozialdemokraten und Schwedendemokraten. Die Sozialdemokraten sind zwar stärkste Kraft, könnten aber ihr schlechtestes Ergebnis seit Ewigkeiten einfahren. Wenn es dann auch nicht zum Regierungswechsel reicht, sind sie eindeutig auf der Verliererseite.

Ähnlich sieht es bei den rechtspopulistischen Schwedendemokraten aus. Es ist die erste Wahl, bei der sie ihr Ergebnis nicht verbessern konnten. Etwa 3% geht es nach unten. Damit ist der zweite Platz an die Moderaten verloren. Der Führungsanspruch im rechtskonservativen Lager liegt damit klar bei den Moderaten. Und eine Regierungsbeteiligung ist momentan auch eher weniger in Sicht. Damit hätten die Sverigedemokraterna beide ihrer zentralen Ziele verfehlt.

Die Moderaten können sich dadurch wie Sieger fühlen. Aber erst wenn es für eine Fortsetzung der Regierung reicht, sind sie wirklich auf der Gewinnerseite.

Extrem nationalistische Örebropartei nicht im Parlament

Egal, wie die Wahl ausgeht, eines scheint sicher: Die extrem nationalistische Örebropartiet scheint die Überraschung nicht gelungen zu sein. In der Region Örebro bräuchten sie 12%, um die 4%-Hürde zu umgehen und ins Parlament einzuziehen. Davon habe ich im Elchkuss-Podcast zur Wahl berichtet. Die übrigen Parteien, zu denen die Örebropartiet zählt, haben momentan aber nur 5,2%. Der Krachmacher und extrem Populist Markus Allard bleibt dem schwedischen Parlament somit erspart.

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