
Visby
Visby Gotlands län SE
Visby - die schönste Stadt Schwedens
Meiner Meinung nach kann nur eine Stadt in Schweden es mit Stockholm aufnehmen, wenn es um die Schönheit der Stadt geht. Und das ist Visby auf Gotland. Ja, ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass Visby die schönste Stadt Schwedens ist.
Visby, die Stadt der Rosen und Ruinen, verzaubert mit verwinkelten Gassen, lebendigen Marktplätze, der enorm imposanten Stadtmauer mit ihren 44 Türmen – völlig zu Recht wurde die Altstadt 1995 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.
Das älteste noch stehende Gebäude in Visby ist der Kruttornet, der Pulverturm, erbaut etwa in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Er ist Teil der Stadtmauer, die im Jahr 1270 fertiggestellt wurde und die in einem 3,5 Kilometer langen Halbrund die Stadt vom Umland schützte. Die Mauer ist ein absolutes Muss, wenn du in Visby bist. Wohl den schönsten Blick auf die Mauer hat man von den Östergravar.
Die Schlacht von Visby - keine Ruhmestat der Stadtbewohner
Die gotländischen Bauern im Jahr 1361 werden die Mauer verflucht haben. Denn für sie bot sie keinen Schutz, im Gegenteil: Sie bedeutete ihren Untergang.
Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte Visby seine Blüte. Die Hanse wuchs zum mächtigen Handelsbund im Norden heran. Waren aller Art wurden über Nord- und Ostsee geschippert, unter anderem Felle aus Nowgorod, wo sich das wichtige Hansekontor für den Russlandhandel befand. Vom Handel mit Russland profitierte Visby enorm, schließlich lag es an der perfekten Schnittstelle vieler Handelsrouten. Mehrere Klöster, viele Kirchen, prächtige Gebäude und eben die Stadtmauer wurden in dieser Zeit errichtet. Zugleich verschärften sich die Spannungen mit der Hansestadt Lübeck, denn beide Städte wollten den Russlandhandel kontrollieren. Und je mehr Lübeck an Bedeutung innerhalb der Hanse gewann, desto mehr verlor Visby.
1361 griff der dänische König Valdemar Atterdag Gotland an. Die gotländischen Bauern stellten sich ihm entgegen, verloren aber die ersten beiden Schlachten. Die verbliebenen Bauern sammelten sich vor den Toren der Stadt Visby, wohl, weil sie sich Hilfe von den Städtern erhofft hatten. Doch die Stadttore blieben verschlossen. Und so wurden die Bauern von den Söldnern des Dänenkönigs niedergemetzelt, während die Bewohner der Stadt von der Mauer aus zusahen. Nach dieser Schlacht übergaben sie die Stadt kampflos. Sie mussten zwar Tribut an die Dänen bezahlen, konnten so aber ihre Privilegien behalten.
In der Folgezeit verlor Visby dennoch immer mehr an Bedeutung, während der Konflikt mit Lübeck weiterschwelte. 1525 schließlich griffen die Lübecker an und zerstörten Kirchen und Klöster. Nur die Kirche der deutschen Kaufleute, St. Maria, ließen sie stehen. Andere Kirchen, die den Angriff überstanden, wurden nach der Reformation vernachlässigt und verfielen. Für das heutige Stadtbild war diese traurige Entwicklung großes Glück! Denn die Ruinen blieben stehen und so können unzählige alte Kirchen bzw. die übriggebliebenen Mauern besichtigt werden.
Und diese Ruinen sind unglaublich schön. Überall Mauern und Bögen, die die Phantasie anregen und einen in eine Zeitreise ins Mittelalter schicken. Die Ruinen sind tot, erzählen aber so anschaulich, dass sich alles mit Leben füllt. Beispielsweise die Ruine St. Katarina, vielleicht die schönste unter all den Ruinen. Oder die alte Dominikaner-Kirche St. Nicolai. Oder Drotten. Oder St. Clemens. Ach, eigentlich ist es egal, faszinierend sind sie alle.
Doch nicht alle Gebäude sind verfallen. Neben der Stadtmauer steht noch die Kirche St. Maria, die heute die Domkirche ist. Ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert stammt die sog. „Alte Apotheke“, ein herrschaftliches Gebäude mit dem typisch hanseatischen Staffelgiebel. Aber sie ist nur eines von etwa 150 mittelalterlichen Gebäuden, die noch erhalten sind.
Mittelalterwoche
Richtig lebendig wird das Mittelalter während der medeltidsveckan in Visby, wenn sich die ganze Stadt 700 Jahre in der Geschichte zurückkatapultiert. In Ritterturnieren kämpfen Ritter um Ehre und Sieg, auf den Bühnen der Stadt spielen Mittelalterbands, auf dem Markt kann man endlos stöbern zwischen Schmuck, Stoffen, Lederhandwerk und und und. 40.000 Besucher kommen Jahr für Jahr Anfang August in die größte Stadt auf Gotland. , was bei einer Einwohnerzahl von knapp über 20.000 eine ganze Menge ist. Wahrscheinlich bietet sich keine schwedische Stadt besser für ein Mittelalter-Festival an.
Mehr dazu unter medeltidsveckan.se
Das zweite große Veranstaltungshighlight in Visby ist die Almedalsveckan. Sie nahm ihren Ausgangspunkt im Almedalen-Park in der Nähe des Pulverturms, wo der frühere schwedische Premierminister Olof Palme oftmals Reden hielt. Aus dieser Tradition heraus entwickelte sich allmählich die Almedalsveckan, eine Woche Anfang Juli, die ganz der Politik und der politischen Diskussion gewidmet ist. Alle Parteichefs sind vor Ort, es werden Reden gehalten, Seminare durchgeführt und diskutiert und debattiert. Bis zu 35.000 Menschen nehmen teil – Politik als Event, bei dem Politiker und Wähler zusammenkommen und gesellschaftliche Diskurse auf breiter Basis verhandelt werden.
Ein politischer Diskurs hätte den beiden Streithähnen Visby und Lübeck im Mittelalter vielleicht auch ganz gut getan. Dass sie sich aber nicht nur bekriegen, sondern sich auch auf ihre Gemeinsamkeiten und die historische Verbindung zwischen beiden Städten besinnen können, haben sie ebenfalls bewiesen. Seit 1999 sind Lübeck und Visby Partnerstädte.
Visby im Podcast
Über Visby gibt es auch eine Podcastepisode von Elchkuss - Schweden entdecken. Hör gerne rein!