
Norrköping
Norrköping Gamla Staden
Norrköping - früher Verfall, heute sehr sehenswert
Ein Niedergang muss nicht zwingend etwas Schlechtes sein. Ein Niedergang muss auch nicht unaufhaltsam sein. Norrköping, eine der größeren Städte Schwedens mit knapp 100.000 Einwohnern, beweist dies. Die alte Industriestadt an der Mündung des Motala ströms in die Ostsee blickte in den 1970er Jahren wahrlich in keine rosige Zukunft. Aber heute ist sie eine sehr sehenswerte Stadt.
Norrköping ist eine alte Handels- und Industriestadt, die zeitweise die zweitgrößte Stadt Schwedens war. Der große Aufschwung kam im frühen 17. Jahrhundert und er ist vor allem verknüpft mit einem Namen: Louis de Geer (1587-1652), ein niederländischer Geschäftsmann. Er gründete mehrere Industriebetriebe: Papierfabriken, Waffenfabriken, Kleidungsmanufakturen, eine Werft. Manche nennen ihn daher auch den Vater der Industrialisierung in Schweden. De Geer ist bis heute in Norrköping überall bekannt und präsent. Stolz steht er als Statue auf dem Gamla Torget. Das Konzerthaus der Stadt trägt seinen Namen; ebenso zwei Schulen.
Norrköping florierte. Besonders die Textilindustrie wurde immer wichtiger und prägte die Stadt. 1830 kamen 70% aller in Schweden produzierten Kleidungsstücke aus Norrköping.
Doch wie so vielen anderen Orten, die von der Industrie geprägt waren, erging es auch Norrköping. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mussten immer mehr Fabriken schließen. Die Textilindustrie zerfiel vollkommen. Zurück blieb ein großes Areal mit vielen Fabriken und Produktions- und Lagerhallen, die keine Funktion mehr hatten. Die Gebäude standen leer und verfielen.
Industrielandschaft als Besuchermagnet
Heute aber ist eben jenes Stadtviertel, industrilandskapet, die Hauptattraktion der Stadt. Entlang des Motala-Flusses können nun die alten, restaurierten Industriegebäude bewundert werden, in denen u.a. Museen, ein Teil der Universität und das Symphonieorchester untergebracht sind. Imposant ist das „Bügeleisen“ („Strykjärnet“), das inmitten des Motala-Flusses emporragt und heute Heimat des Museums der Arbeit ist. Hier überall umherzuwandeln und dem Tosen des Wassers zu lauschen, das ständig irgendwo herunterstürzt, ist beeindruckend. Besonders reizvoll ist Knäppingsborg in der Nähe des Gamla Torget, wo sich Cafés und Restaurants sowie Kunsthandwerk und kleine Boutiquen angesiedelt haben. Eine Oase, in der es sich wahrlich aushalten lässt! Dort, wo früher Verfall herrschte, herrscht heute reges Leben und Innovation.
Verfall kann also eine Chance sein. Das zeigt Norrköping. Aber Norrköping zeigt auch – wie viele andere Städte in Schweden auch – dass Modernisierungen behutsam und mit einem Gespür für den Ort geschehen müssen. Dann gelingt eine so wundervolle Umwandlung wie in der Industrilandskapet. Schaut man sich hingegen die Haupteinkaufsstraße, die Drottninggatan an, dann sieht man eindrucksvoll, welchen Schaden die Abbruch- und Modernisierungswelle der 1950er- und 1960er Jahre angerichtet hat. Alte Häuser wurden abgerissen und durch moderne Zweckbauten ersetzt. Der Charme hat dabei ganz klar verloren. Deutlich wird das beispielsweise im südlichen Teil der Drottninggatan, wo es mehrere große Einkaufscenter gibt. Möglicherweise gut zum Shoppen, aber ohne jegliche Eleganz und Schönheit.
Schönheit und Hässlichkeit, ein spannendes Stadtbild und ein langweilig-eintöniges liegen in Norrköping oft nah beieinander. Wer die industrilandskapet besucht, wird die anregende, die spannende Seite Norrköpings entdecken. Hier lohnt es sich, einfach herumzuspazieren und viel auf- und wahrzunehmen. Und der Besuch im Arbetets museum lohnt ebenso wie der im Norrköpings stadsmuseum. Musikliebhaber werden beim Norrköpings Symphonieorchester, das im Louis de Geer-Konzerthaus beheimatet ist, glücklich. Und Kinder, die angesichts so viel Kultur mal eine Auszeit brauchen, können sich auf dem Spielplatz Ministaden in der Nähe des Stadtmuseums austoben. Hier sind Teile der Stadt in Miniatur nachgebaut.
Noch viel lieber werden Kinder aber nach Kolmården gehen, den sehr empfehlenswerten Tier- und Erlebnispark am nördlichen Ufer des Bråviken, etwa 20 bis 30 Kilometer von Norrköping entfernt.
Andere beliebte Ausflugsziele sind das beschauliche und sehr gemütliche Städtchen Söderköping nur wenige Kilometer südlich von Norrköping. Und die Ruine der Festung Stegeborg südöstlich von Norrköping. Früher war das eine der zentralen Burgen in Schweden, heute noch eine imposante Ruine, sehr schön gelegen auf einer kleinen Insel in der Bucht Slätbaken.
